Abb. 1: Jadebeil Typ Greenlaw/Altenstadt (1) und Amphibolitbeil Typ Puy (2) vom Kapellenberg, gefunden um 1880. Stadtmuseum Hofheim am Taunus (Zeichnung: Michael Ober, RGZM).

Abb. 2. Darstellung des Großgrabhügels auf dem Kapellenberg mit Grabungsschnitt des 19. Jahrhunderts und darin bei einer Nachuntersuchung 2013 gefundenen Münzen. Die Eintiefung des 19. Jahrhunderts dürfte etwa die Lage des ehemaligen Grabes markieren. Daneben eine weitere Nachgrabung von 2014/2014 (Grafik/Photos: M. Ober, S. Steidl, RGZM, aus: D. Gronenborn/H. Thiemeyer/A. Cramer u. a., A later fifth millennium cal BC tumulus at Hofheim-Kapellenberg, Germany. Antiquity Project Gallery 2020).

 

Der Großgrabhügel und die Beilklingen

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Die Steinbeilklingen

Im Jahr 1893 wurden beide Steinbeilklingen von August von Cohausen publiziert. Als Fundort wird ein Abschnitt des äußeren Walles angegeben, der auch heute noch ungefähr lokalisiert werden kann. Cohausen nahm seinerzeit Bezug auf eine von ihm vorab publizierte Karte, war aber bei der Auffindung der Beile nicht vor Ort, die ohnehin etwa 10 Jahre vor der Publikation bei Anlage eines Weges entdeckt wurden.

Sehr vieles spricht allerdings dafür, dass die Stücke aus einem seinerzeit nicht erkannten, stark erodierten Großgrabhügel stammten, und etwa 10 Jahre vor der Publikation dort beim Ausbau der Forstwege gefunden wurden.

Die Beilklingen wurden dann im Zuge des JADE-Projektes untersucht, die ursprüngliche Ansprache der Rohmaterialien als Jade- und Grauwacke übernommen. Das Jadebeil ist ein Stück vom Typ Greenlaw/Altenstadt, das andere ein Stück vom Typ Puy.

Beim letzeren Exemplar zeigte eine erneute Untersuchung am RGZM durch Tatjana Gluhak, dass es sich beim Rohmaterial sehr wahrscheinlich um Amphibolit handelt. Beide Exemplare sind Bestandteil der Schausammlung des Stadtmuseums Hofheim.

Der Grabhügel

Der Grabhügel blieb bis zur Identifikation im Gelände durch Heinrich Thiemeyer und der Überprüfung an den seit 2012 zur Verfügung stehenden Daten der digitalen Geländeaufnahme (LiDAR) des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) als solcher unerkannt. Er ist im Gelände nur von der Westseite aus gut zu erkennen. Stratigraphische Untersuchungen zeigen, dass seine Erosion bereits während des Beginns der Innenbesiedlung um 3750 v. Chr. abgeschlossen war, die Typologie der Beile spricht für eine Errichtung um 4200/4100 v. Chr.

Großgrabhügel dieser Art sind bislang in Mitteleuropa für jene Zeit nicht belegt, finden aber heute noch Entsprechungen in der Bretagne, besonders im Tumulus von Tumiac.

Bei den Beilen dürfte es sich um die Beigaben einer Bestattung im Zentrum des Grabhügels handeln. Die Bestattung selbst war wohl bereits um 1880 vergangen, als die Reste des Grabes bei der Anlage des Waldweges unbeabsichtigt zerstört wurde. Trotz dieses äußerst unglücklichen Umstandes bleibt aber der Großgrabhügel das einzige Monument dieser Größe und dieses Alters in Mitteleuropa und unterstreicht die Anbindung des Rhein-Main-Gebietes vor 6000 Jahren an Westeuropa.

Hochauflösende 3D-Scans der Beile

https://www3.rgzm.de/tests/jadebeil/
https://www3.rgzm.de/tests/gronenborn/steinbeil/

Interaktive Karte

Kartierung von Gräbern mit Jadebeilen, und Gräbern mit Beilen der Typen Greenlaw/Altenstadt und Puy, sowie der gesamtverbreitung der Beile Typ Greenlaw/Altenstadt und der Beile Typ Puy.


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Kooperationspartner

Publikationen

  • W. Feth / G. Heinz / D. Gronenborn / A. Junge / A. Kreuz / U. Recker, Neue Forschungen zum Kapellenberg in Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2012 (2013, 35-39).
  • S. Fetsch / D. Gronenborn / A. Kreuz / A. Cramer / S. Schade-Lindig / O. Weller, Ausweitungen der Forschungen zur Michelsberger Kultur im Rhein-Main-Gebiet. hessenARCHÄOLOGIE 2010, 2011, 22-25.
  • D. Gronenborn, Eliten, Prestigegüter, Repräsentationsgräber: Eine Spurensuche nach politischen Organisationsformen.In: Lichter, C. (Red.), Jungsteinzeit im Umbruch. Die "Michelsberger Kultur" und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Schloss Karsruhe 20.11.2010 - 15.5.2011. Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Karlsruhe 2010) 243-249.
  • D. Gronenborn, Der Kapellenberg während der Jungsteinzeit. In: R. Schlecker (Red.), Jade und Salz. Der Hofheimer Kapellenberg und seine Geschichte. Publikation zur Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim am Taunus vom 2. Juni – 29. September 2013. Stadtmuseum Hofheim am Taunus. Beiträge zur Kultur- und Stadtgeschichte 18 (Hofheim am Taunus 2013) 7-25.
  • D. Gronenborn / B. Hünerfauth / A. Kreuz / U. Recker / N. Richter / M. Wagner, Fortgang der Untersuchungen am Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Grabungen des Vorwalles der jungneolithischen Höhensiedlung im Main-Taunus-Kreis. hessenARCHÄOLOGIE 2009, 2010, 43-45.
  • D. Gronenborn, Some thoughts on political differentiation in early to Young Neolithic societies in western central Europe. In: H. Meller/H.-P. Hahn/R. Jung u. a. (Hrsg.), Arm und Reich - Zur Ressourcenverteilung in prähistorischen Gesellschaften. 8. Mitteldeutscher Archäologentag vom 22. bis 24. Oktober 2015 in Halle. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (2016) 61–76.
  • D. Gronenborn/W. Haak, Als Europa (zu) Europa wurde. Die großen Migrationen im Neolithikum. In: M. Wemhoff/M. M. Rind (Hrsg.), Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland (Petersberg 2018) 72–77.
  • D. Gronenborn/H. Thiemeyer/A. Cramer/N. Antunes/D. Neubauer/P. Pétrequin, A later fifth millennium cal BC tumulus at Hofheim-Kapellenberg, Germany. Antiquity Project Gallery 2020.
  • F.-R. Herrmann, Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis. Führungsblatt zu den vorgeschichtlichen Grabhügeln, dem römischen Wachtturm und dem frühmittelalterlichen Ringwall. Archäologische Denkmäler in Hessen 30 (Wiesbaden o. J.).
  • D. Hofmann/E. Banffy/D. Gronenborn/A. Whittle/A. Zimmermann, Als die Menschen sesshaft wurden. Die Jungsteinzeit in Süd- und Mitteldeutschland. In: E. Bánffy/K. P. Hofmann/P. von Rummel (Hrsg.), Spuren des Menschen. 800 000 Jahre Geschichte in Europa (Darmstadt 2019) 110–133.
  • N. Richter / D. Gronenborn / U. Recker, Was lange wehrt, wehrt gut - die michelsbergzeitliche Befestigungsanlage auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2008, 2009, 33-35.
  • N. Richter, Der Kapellenberg bei Hofheim a. T. - Eine michelsbergzeitliche Höhensiedlung und ihr Umland. Unveröffentlichte Dissertation. Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Mainz 2010).
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  • R. Kubon / G. Rühl, Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Beiträge zur Hofheimer Geschichte, Geschichts- und Altertumsverein Hofheim am Taunus (Hofheim 1977 [²1986]).
  • P. Mertl/D. Gronenborn, Geophysikalische Prospektionen auf dem Kapellenberg. In: U. Recker (Hrsg.), hessenARCHÄOLOGIE 2018. Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen. hessenARCHÄOLOGIE 21 (Darmstadt 2019) 59–61.
  • J. Nowaczek/D. Gronenborn/A. Kreuz/P. Mertl/U. Recker/H. Thiemeyer, Ein Berg hält die Forschung seit Jahren auf Trab. hessenARCHÄOLOGIE 2016, 51-53, 2017.
  • J. Nowaczek/D. Gronenborn/U. Recker, Im Regen stehen gelassen: der Kapellenberg hütet seine Geheimnisse. hessenARCHÄOLOGIE 2017/2018, 40–42.
  • N. Zimmer, Die Michelsberger Höhensiedlung Kapellenberg bei Hofheim. Eine Befestigungsanlage am südlichen Rand des Taunus und ihre Einbindung in die Besiedlungsentwicklung im Umland. In: F. Daim, D. Gronenborn u. R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM - Tagungen 11 (Mainz 2011) 129-142.