Panoramabild des Nordwalles mit Vorwall, Hohe Schneise, Blick von West nach Ost (Foto: Gronenborn, RGZM, 2008).

Schnitt durch Nordwall mit Vorwall, Hohe Schneise, Blick von Ost nach West (Grafik: Cohausen 1887).

Der Kapellenberg mit obertägig sichtbaren archäologischen Überresten und Grabungsstellen (Grafik: Gronenborn / Ober, RGZM, 2013; Kartengrundlage der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation).

Pfeilspitzen vom Kapellenberg aus der Sammlung Kubon (Foto: Müller, RGZM, 2010).

Michelsberger Keramik vom Kapellenberg, Sammlung Kubon (Foto: Müller, RGZM, 2010).

 

Der Kapellenberg – ein Pompeji der Steinzeit im Rhein-Main-Gebiet

english version

Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus ist eine der größten Siedlungen aus der Zeit der Michelsberger Kultur (4200-3500 v. Chr.). Es war eine gewaltige Anlage von 45 ha Größe, die bebaute Fläche umfasste immer noch 26 ha. Auch heute, nach 6000 Jahren, sind die einstigen Wallanlagen im Gelände zu sehen – es ist ein Pompeji der Steinzeit. Die Anlage wurde offensichtlich zunächst um einen Großgrabhügel errichtet, der zum Ende des Mittelneolithikums (um 4500 v. Chr.) oder zu Beginn der Michelsberger Belegung (um 4200/4100 v. Chr.) errichtet wurde.

Neben den archäologischen Hinterlassenschaften des Jungneolithikums finden sich auf dem Kapellenberg noch zwei weitere Grabhügel aus dem Endneolithikum, ein kreisförmiger Graben unbekannter Zeitstellung und die Reste eines römischen Wachturms. Der Großgrabhügel wurde im Zuge forstwirtschaftlicher Arbeiten bereits um 1880 in einer undokumentierten Grabung versehentlich angegraben. Die Kreisgrabenanlage und die Reste des Wachturms wurden dann 1896 durch C. L. Thomas wissenschaftlich untersucht.

Der Wall wurde zum ersten Mal durch August von Cohausen beschrieben, der auch die Ähnlichkeit der Keramik mit der vom Michaelsberg bei Bruchsal erkannte, später der namensgebende Fundort der Michelsberger Kultur. Cohausen publizierte zudem zwei vermutlich aus dem Großgrabhügel stammende Beilklingen. Dietwulf Baatz erkannte schließlich die jungneolithischen Grabhügel und vermutete eine Michelsberger Höhensiedlung. 1975 untersuchte Rolf Kubon einen der spätneolithischen Grabhügel. Der Großgrabhügel wurde erst 2012 durch Heinrich Thiemeyer als sicher anthropogene Formation erkannt.

Seit 2008 untersucht das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) und die Johannes-Gutenberg-Universität in Zusammenarbeit mit der hessenARCHÄOLOGIE die Wallanlagen, die Innenbesiedlung und den Großgrabhügel. Sehr unterstützt wird das Vorhaben vom Magistrat der Stadt Hofheim.

Die Grabungen sind als Praktika in das Lehrangebot an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz eingebunden, sie sind ebenso Bestandteil der Ausbildung am RGZM. Die bodenkundlichen Untersuchungen werden gemeinsam am Geographischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt und am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg Universität Mainz ausgeführt.
 

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Kooperationspartner

Publikationen

  • W. Feth / G. Heinz / D. Gronenborn / A. Junge / A. Kreuz / U. Recker, Neue Forschungen zum Kapellenberg in Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2012 (2013, 35-39).
  • S. Fetsch / D. Gronenborn / A. Kreuz / A. Cramer / S. Schade-Lindig / O. Weller, Ausweitungen der Forschungen zur Michelsberger Kultur im Rhein-Main-Gebiet. hessenARCHÄOLOGIE 2010, 2011, 22-25.
  • D. Gronenborn, Eliten, Prestigegüter, Repräsentationsgräber: Eine Spurensuche nach politischen Organisationsformen.In: Lichter, C. (Red.), Jungsteinzeit im Umbruch. Die "Michelsberger Kultur" und Mitteleuropa vor 6000 Jahren. Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Schloss Karsruhe 20.11.2010 - 15.5.2011. Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Karlsruhe 2010) 243-249.
  • D. Gronenborn, Der Kapellenberg während der Jungsteinzeit. In: R. Schlecker (Red.), Jade und Salz. Der Hofheimer Kapellenberg und seine Geschichte. Publikation zur Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim am Taunus vom 2. Juni – 29. September 2013. Stadtmuseum Hofheim am Taunus. Beiträge zur Kultur- und Stadtgeschichte 18 (Hofheim am Taunus 2013) 7-25.
  • D. Gronenborn / B. Hünerfauth / A. Kreuz / U. Recker / N. Richter / M. Wagner, Fortgang der Untersuchungen am Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Grabungen des Vorwalles der jungneolithischen Höhensiedlung im Main-Taunus-Kreis. hessenARCHÄOLOGIE 2009, 2010, 43-45.
  • D. Gronenborn, Some thoughts on political differentiation in early to Young Neolithic societies in western central Europe. In: H. Meller/H.-P. Hahn/R. Jung u. a. (Hrsg.), Arm und Reich - Zur Ressourcenverteilung in prähistorischen Gesellschaften. 8. Mitteldeutscher Archäologentag vom 22. bis 24. Oktober 2015 in Halle. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (2016) 61–76.
  • D. Gronenborn/W. Haak, Als Europa (zu) Europa wurde. Die großen Migrationen im Neolithikum. In: M. Wemhoff/M. M. Rind (Hrsg.), Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland (Petersberg 2018) 72–77.
  • D. Gronenborn/H. Thiemeyer/A. Cramer/N. Antunes/D. Neubauer/P. Pétrequin, A later fifth millennium cal BC tumulus at Hofheim-Kapellenberg, Germany. Antiquity Project Gallery 2020.
  • F.-R. Herrmann, Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis. Führungsblatt zu den vorgeschichtlichen Grabhügeln, dem römischen Wachtturm und dem frühmittelalterlichen Ringwall. Archäologische Denkmäler in Hessen 30 (Wiesbaden o. J.).
  • D. Hofmann/E. Banffy/D. Gronenborn/A. Whittle/A. Zimmermann, Als die Menschen sesshaft wurden. Die Jungsteinzeit in Süd- und Mitteldeutschland. In: E. Bánffy/K. P. Hofmann/P. von Rummel (Hrsg.), Spuren des Menschen. 800 000 Jahre Geschichte in Europa (Darmstadt 2019) 110–133.
  • N. Richter / D. Gronenborn / U. Recker, Was lange wehrt, wehrt gut - die michelsbergzeitliche Befestigungsanlage auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2008, 2009, 33-35.
  • N. Richter, Der Kapellenberg bei Hofheim a. T. - Eine michelsbergzeitliche Höhensiedlung und ihr Umland. Unveröffentlichte Dissertation. Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Mainz 2010).
  • T. Lang / A. Cramer / S. Fiedler / D. Gronenborn / A. Junge / U. Recker / K.-J. Sabel / H. Thiemeyer, Grabungen im Innenraum der Befestigung auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2013, 2014, 43-46.
  • T. Lang/A. Cramer/D. Gronenborn/U. Recker/ S. Fiedler/H. Thiemeryer, Grabungen 2014 innerhalb der Befestigung auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2014, 2015, 46–48.
  • R. Kubon / G. Rühl, Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Beiträge zur Hofheimer Geschichte, Geschichts- und Altertumsverein Hofheim am Taunus (Hofheim 1977 [²1986]).
  • P. Mertl/D. Gronenborn, Geophysikalische Prospektionen auf dem Kapellenberg. In: U. Recker (Hrsg.), hessenARCHÄOLOGIE 2018. Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen. hessenARCHÄOLOGIE 21 (Darmstadt 2019) 59–61.
  • J. Nowaczek/D. Gronenborn/A. Kreuz/P. Mertl/U. Recker/H. Thiemeyer, Ein Berg hält die Forschung seit Jahren auf Trab. hessenARCHÄOLOGIE 2016, 51-53, 2017.
  • J. Nowaczek/D. Gronenborn/U. Recker, Im Regen stehen gelassen: der Kapellenberg hütet seine Geheimnisse. hessenARCHÄOLOGIE 2017/2018, 40–42.
  • N. Zimmer, Die Michelsberger Höhensiedlung Kapellenberg bei Hofheim. Eine Befestigungsanlage am südlichen Rand des Taunus und ihre Einbindung in die Besiedlungsentwicklung im Umland. In: F. Daim, D. Gronenborn u. R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM - Tagungen 11 (Mainz 2011) 129-142.