Ernährungsstrategien und Landnutzung früher moderner Menschen in Mitteleuropa – Archäozoologische Untersuchungen der Freilandfundplätze Breitenbach und Lommersum
  

Neandertaler und moderne Menschen unterscheiden sich maßgeblich hinsichtlich ihrer Ernährungsweise. Spezifische Ernährungsstrategien könnten uns modernen Menschen den entscheidenden Selektionsvorteil gesichert haben, durch den wir überlebten, die Neandertaler aber ausstarben. Während die Ernährung der Neandertaler mittlerweile recht gut erforscht ist, liegen die Anfänge modernmenschlicher Ernährung in Mitteleuropa weitgehend im Dunkeln.

Tim Matthies untersucht im Rahmen seiner Dissertation die tiefgreifenden Veränderungen in Ernährung und Landnutzungsstrategien, die mit dem Auftreten moderner Menschen in Europa einhergehen. Da es aus dieser Zeit nur wenige Menschenreste gibt, sind Analysen von Tierknochen die wichtigste Quelle zur Rekonstruktion der Ernährung. Freilandfundplätze sind für die Entschlüsselung von Ernährungsstrategien und damit verbundenem Siedlungsverhalten besonders aussagekräftig. Im nördlichen Mitteleuropa sind zurzeit nur zwei Freilandfundplätze mit ausreichender Knochenüberlieferung bekannt: Lommersum (jüngeres Aurignacien) und Breitenbach (Übergang zum Gravettien), die beide etwa 35-40.000 Jahre alt sind. Die Jagdfauna Breitenbachs besteht aus einem breiten Artenspektrum, auch gibt es Anzeichen für wiederholte, längerfristige Besiedlungen und unterschiedliche Aktivitätszonen innerhalb des Fundplatzes. Die Befunde in Lommersum deuten hingegen auf ephemere Aufenthalte hin. Das Fauneninventar besteht zu 90% aus Rentier. Inwiefern dies auf unterschiedliche ökonomische Funktionen der Plätze zurückzuführen ist, werden die Auswertungen der archäozoologischen Analysen und zukünftige Ausgrabungen zeigen.


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