Lebensbild einer Doppelbaracke im Lager der 8. Legion (nach den Ergebnissen der Fundstätte »4 rue Brûlée«); Zeichnung: Ch. Gaston/Inrap.

Römische Fibel, in der Doppelbaracke (»4 rue Brûlée«) von einem Soldat der 8. Legion verloren; Foto: F. Schneikert/Inrap.

Luftbild vom Straßburger Zentrum mit dem Umriss des Militärlagers (ca. 20 ha) der 8. Legion Augusta. Die „Rue des Hallebardes“ entspricht der via praetoria und die „Rue du Dôme“ der via principalis des Legionslagers; Luftbild: SIG-CUS, 2010.

Kataster des Straßburger Zentrums mit der schematischen Organisation des Militärlagers (ca. 20 ha) der 8. Legion Augusta; Graphik: P. Girard, G. Kuhnle/Inrap.

Lebensbild des im ausgehenden 1. Jh. gebauten Holz-Erde-Walls des Lagers der 8. Legion (nach den Ergebnissen der Fundstätte »Grenier d’Abondance«); Zeichnung: Ch. Gaston/Inrap.

Lebensbild der im 2. Jh. dem Holz-Erde-Wall vorgeblendeten Steinmauer des Lagers der 8. Legion (nach den Ergebnissen der Fundstätte »Grenier d’Abondance«); Zeichnung: Ch. Gaston/ Inrap.

Silbermünze (Denar) des Kaisers Domitian, geprägt im Jahr 83 n. Chr. in Rom, aus dem Holz-Erde-Wall (Fundstätte »Grenier d’Abondance«); Foto: F. Schneikert/Inrap.

Ziegelstempel LEG VIII AVG für legio VIII Augusta. Die 8. Legion betrieb ihre eigene Ziegelei in Strasbourg-Koenigshoffen; Foto: F. Schneikert/Inrap.



Deutsch-Französische Forschung: Neue Erkenntnisse zur römischen Militärpräsenz in Straßburg veröffentlicht

Die Forschungen der letzten Jahrzehnte zur römischen Militärpräsenz und zum Lager der 8. Legion in Straßburg sind im Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) veröffentlicht worden. Die deutsche Archäologin und langjährige Mitarbeiterin des französischen Forschungsinstituts für präventive Archäologie (Inrap), Dr. Gertrud Kuhnle, legt mit ihrer zweiteiligen Monographie nicht nur die Ergebnisse dieser Forschungen vor, sie ergänzt sie zudem mit Fachbeiträgen aus der Naturwissenschaft. Die Monographie ist in französischer Sprache verfasst; eine ausführliche Zusammenfassung und drei der neun Annexe sind auf Deutsch.

Nahezu überall haben die Römer Spuren hinterlassen: In ihrer gerade erschienenen Forschungsarbeit widmet sich Gertrud Kuhnle der aufgearbeiteten Geschichte des römischen Straßburg vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. sowie die der 8. Legion Augusta der römischen Armee. „Ich blicke auf 27 Jahre Berufserfahrung in Frankreich zurück; dabei liegen die meisten und wichtigsten archäologischen Stätten der vorrömischen Epochen und der Römerzeit, die ich prospektieren und/oder ausgraben durfte, im Elsass“, erklärt die Autorin. „Das Thema zum römischen Straßburg konnte ich mit Unterstützung des Inrap aufarbeiten. Hierzu bilden die Erkenntnisse von zwei Ausgrabungen im Straßburger Stadtkern, die ich in den Jahren 1999/2000 sowie 2008 leitete, das Rückgrat zu den Ergebnissen meiner Forschungen.“

Das heutige Straßburg – ein Zeugnis der Römer?

Erste städtische Entwicklungen Straßburgs haben ihren Ursprung in der Errichtung des römischen Militärlagers der 8. Legion. Die Hauptachsen der Anlage sind noch heute im Stadtbild zu erkennen. Die zwei unter der Leitung der Autorin durchgeführten Ausgrabungen auf dem Areal des Legionslagers (»Grenier d’Abondance« 1999/2000, »4 rue Brûlée« 2008), bei denen ein Backhaus und eine Doppelbaracke entdeckt wurden, lieferten neue Erkenntnisse über die Entwicklung der fast 20 Hektar großen Anlage. „Die Soldaten der 8. Legion Augusta errichteten im ausgehenden 1. Jahrhundert einen Holz-Erde-Wall, dem im 2. Jahrhundert eine Steinmauer vorgeblendet wurde. Durch eine weitere vorgeblendete Verstärkung in spätrömischer Zeit hat sich die Befestigung des Legionslagers weit über die Antike hinaus erhalten“, stellte Getrud Kuhnle fest.

So führten zahlreiche Funde zu interdisziplinären Forschungen durch deutsche, französische und Schweizer Kollegen: Deren Studien untersuchen u.a. Münzen, Keramik, Metall, Glas, Tierknochen, Wandmalerei, Baumaterial aus Stein und Erde und gewähren somit einen detaillierten Einblick in die Lebensbedingungen der römischen Soldaten in Straßburg. Die Ergebnisse dieser Fachbeiträge, von denen neun auch als Annexe erscheinen, sind in der Monographie zusammengefasst.

Zur Autorin

Nachdem Gertrud Kuhnle in Straßburg ihr Studium der Kunstgeschichte und Archäologie – mit dem Schwerpunkt über die spätrömischen Befestigungen im Rheintal zwischen Bodensee und Bingen – absolvierte (1991), war sie als Archäologin mit Fokus auf die Themen Stadtarchäologie und Römerzeit beim französischen Forschungsinstitut für präventive Archäologie, Inrap, fest angestellt (1991-2018).

Neben der beruflichen Tätigkeit beim Inrap als wissenschaftliche Grabungsleiterin führte sie, aufbauend auf die Ergebnisse ihrer Straßburger Stadtkerngrabungen, ihre Forschungen weiter und promovierte 2015 bei Professor Michel Reddé (EPHE, Paris) über das Lager der 8. Legion und die römische Militärpräsenz in Straßburg/Argentorate.

Ende Mai 2018 wechselte Gertrud Kuhnle zum Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und trat eine Stelle als Referentin für Archäologie am Dienstsitz Freiburg an. Dort ist sie für die Kulturdenkmale der vorgeschichtlichen Epochen und der römischen Zeit in den Landkreisen Emmendingen, Lörrach, Ortenau und Tuttlingen zuständig.

Die – vor allem bezüglich  der Inschriften erweiterte - Doktorarbeit erschien zum Jahreswechsel unter dem Titel „Argentorate. Le camp de la VIIIe légion et la présence militaire romaine à Strasbourg“ in der Reihe Monographien des RGZM, Band 141.

Buchdaten

Gertrud Kuhnle
Argentorate. Le camp de la VIIIe légion et la présence militaire romaine à Strasbourg
Avec de contribution de Heidi Cicutta · Bérangère Fort · Francesca Ginella · Stefanie Jacomet · Marc Leroy · Denis Leypold · Stéphane Martin · Paul Merluzzo · Delphine Minni · Markus Peter · Laurent Popovitch · Olivier Putelat · Paula J. Reimer · Minze Stuiver · Wolfhard Wimmenauer
Monographien des RGZM, Band 141
1. Auflage 2018, 2 Teile. Teil 1: 540 Seiten mit 53 teils farbigen Abbildungen; Band 2: 24 Seiten, 167 überwiegend farbige A4-Tafeln, 86 überwiegend farbige A3-Tafeln.  21 x 30 cm, Hardcover, fadengeheftet
ISBN 978-3-88467-294-5
€ 120,–  |  erhältlich über Schnell & Steiner

Gerne können Sie die Publikation auch direkt bei uns unter vertrieb(at)rgzm.de bestellen.
 

Inhalt

L’analyse des sources archéologiques, littéraires, iconographiques et épigraphiques permet de retracer l’histoire militaire de Strasbourg-Argentorate. Celle-ci est caractérisée par l’installation de la IIe légion sous le règne de Tibère, l’absence d’une légion entre 43 et les années 90, puis par la longue présence de la VIIIe légion.

Les deux fouilles préventives menées par l’auteure dans l’emprise du camp de la VIIIe légion (« Grenier d’Abondance », « 4 rue Brûlée »), qui ont permis la découverte d’un fournil dans l’intervallum et d’une baraque double dans le latus praetorii dextrum, ont également apporté de nouvelles données sur la via sagularis et les remparts successifs. Au rempart initial en terre et en bois, érigé par les soldats de la legio VIII Augusta à la fin du Ier siècle, est adossé un mur d’enceinte en pierre au IIe siècle. Renforcée au Bas-Empire, l’enceinte du camp légionnaire perdurera au-delà de l’Antiquité.

Argentorate. Die römische Militärpräsenz in Straßburg und das Lager der 8. Legion

Die Auseinandersetzung mit den archäologischen, literarischen, ikonographischen und epigraphischen Quellen ermöglicht neue Einsichten in die Militärgeschichte von Straßburg-Argentorate. Diese ist gekennzeichnet durch die Stationierung der 2. Legion unter Tiberius, die Abwesenheit einer Legion zwischen 43 und den 90er Jahren des 1. Jahrhunderts sowie die lange Präsenz der 8. Legion.

Zwei unter der Leitung der Autorin durchgeführte Ausgrabungen auf dem Areal des Lagers der 8. Legion (»Grenier díAbondance«, »4 rue Brûlée«), bei denen ein Backhaus im intervallum und eine Doppelbaracke im latus praetorii dextrum entdeckt wurden, haben auch neue Erkenntnisse über die via sagularis und die aufeinanderfolgenden Umwehrungen geliefert. Die Soldaten der legio VIII Augusta errichteten im ausgehenden 1. Jahrhundert einen Holz-Erde-Wall, dem im 2. Jahrhundert eine Steinmauer vorgeblendet wurde. Durch eine weitere vorgeblendete Verstärkung in spätrömischer Zeit hat sich die Befestigung des Legionslagers weit über die Antike hinaus erhalten.