Vierter und abschließender Band zur ottonischen Königspfalz Werla open access erschienen

Die Ausgrabungen auf dem Gelände der ottonischen Königspfalz Werla zählen zu den größten archäologischen Forschungsvorhaben, die in Niedersachsen durchgeführt wurden. Nun ist der vierte und damit letzte Band zu diesem herausragenden Beispiel für ottonische Herrschaftsarchitektur erschienen.

Buchdaten

Markus C. Blaich
Werla 4
Curtem nostram nomine Werla
Architektur und Struktur einer ottonischen Königspfalz

Monographien des RGZM, Band 138
1. Auflage 2022, 560 Seiten mit 535 Abbildungen, 21 x 30 cm, Hardcover, fadengeheftet
ISBN 978-3-88467-345-4

Diese Publikation ist auf Propylaeum eBOOKs dauerhaft frei verfügbar (Open Access):
DOI: doi.org/10.11588/propylaeum.1078  

Online-Zusatzdaten: doi.org/10.11588/data/SZSS58 

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

Die Gesamtanalyse Werlas verknüpft die Auswertung der Altgrabungen von 1934-1939 und 1957-1964 mit gezielten Nachgrabungen und minimal-invasiven Sondagen.

Werlas gestaffelte Befestigungsanlagen sind Kennzeichen militärischer Stärke, und durch ihre monumentale Architektur wird königliche Macht in Szene gesetzt. In den Vorburgen dominieren einfache, der handwerklichen Produktion dienende Grubenhäuser und Speicherbauten, die Werla als Wirtschaftszentrum im Sinne der Elitenökonomik ausweisen.

Die Analyse der Kleinfunde bietet eine andere Perspektive als die Architektur. Sie ermöglicht Aussagen zu Gründungszeit, Blütephase und Aufgabe der Pfalz. Zudem lassen sich berittene, hochrangige Besucher der Königspfalz und ihr engeres Gefolge und sogar die selten anwesende königliche Hofhaltung erkennen.

Im mittleren 11. Jahrhundert wurde Werla aufgegeben, ihre Pfalzfunktionen sind nach Goslar übertragen worden. In einer überregionalen Betrachtung kann dies mit dem ökonomischen und politischen Strukturwandel in Zusammenhang gebracht werden, den der ostsächsische Raum erfuhr, als das Königtum von den Ottonen auf die Salier überging.

Als ein herausragendes Beispiel für die ottonische Herrschaftsarchitektur und mit seiner Einbindung in das weitere Umland und dessen Strukturierung als eigener Reichsbezirk steht Werla zugleich für die veränderte Rolle, die der Harz im politischen Konzept des 10. und 11. Jahrhunderts spielte.

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The overall analysis of Werla combines the evaluation of the old excavations from 1934-1939 and 1957-1964 with targeted post-excavations and minimally invasive sondages.

Werla's staggered fortifications are a mark of military strength, and their monumental architecture showcases royal power. The outer castles are dominated by simple pit houses and storage buildings used for craft production, which show Werla to be an economic centre in the sense of elite economy.

The analysis of the small finds offers a different perspective than the architecture. It enables statements to be made about the founding period, the heyday and the abandonment of the palatinate. In addition, mounted, high-ranking visitors to the royal palace and their closer entourage and even the rarely present royal court can be identified.

In the middle 11th century Werla was abandoned, its palatine functions transferred to Goslar. In a supra-regional view, this can be related to the economic and political structural change that the East Saxon region underwent when the kingship passed from the Ottonians to the Salians.

As an outstanding example of Ottonian ruling architecture and with its integration into the wider surrounding countryside and its structuring as a separate imperial district, Werla at the same time stands for the changed role that the Harz region played in the political concept of the 10th and 11th centuries.