Pressemitteilung | 17. Juli 2020 

Restaurierte Schauseite des Henkels der zweiten Kanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina« ) von Sirolo-Numana mit Palmettenattasche. Foto: RGZM / E. Esmen

Löwenkopf einer archaischen Löwenkanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina« )von Sirolo-Numana. Foto: RGZM / E. Esmen

Der am RGZM restaurierte Henkel einer Löwenkannen aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina« ) mit Palmenattasche und Reste des Bronzegefäßes. Foto: RGZM / E. Esmen

Der Henkel einer Löwenkanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina«) von Sirolo-Numana vor und nach der Restaurierung. Fotos: RGZM / R. Müller, I. Vollmer

Der Henkel einer Löwenkanne aus dem Grab der »Königin« (»Tomba della Regina«) von Sirolo-Numana vor und nach der Restaurierung. Fotos: RGZM / R. Müller, I. Vollmer



Bankettgeschirr vor 2500 Jahren – so feierte die Elite im 6. Jahrhundert v. Chr.

Sirolo-Numana/Mainz. Gemeinsame Feste – einfach wieder einmal essen, reden und trinken mit Familie oder Freunden – haben wir in den letzten Monaten schmerzlich vermisst. Feiern und Feste prägen nicht nur unsere kulturelle und gesellschaftliche Wirklichkeit, auch in der Vergangenheit wurde ausgiebig und stilvoll getafelt, wie die Metall- und Kreamikgefäße aus dem Fund von Sirolo-Numana aus der Eisenzeit belegen.

Als große Festveranstalterin gilt die sogenannte Königin (‚Regina’) von Sirolo-Numana aus der heutigen Provinz Ancona/Italien. Aus deren üppiger Grabausstattung, die 1989 entdeckt wurde, stammen u.a. diese Bronzekannen, die wegen des Löwenkopfes am oberen Teil des Henkels als »Löwenkannen« bezeichnet werden. Aufgrund ihrer stilistischen Merkmale datieren sie in das 6. Jh. v. Chr. Solche Kannen wurden auf der italischen Halbinsel vor allem in Etrurien nach griechischen Vorbildern hergestellt und waren fester Bestandteil des Bankettgeschirrs der archaischen Eliten, zu denen auch die ‚Regina‘ gehörte. Nun wurden die beiden Löwenkannen im Rahmen eines Forschungsprojektes am RGZM restauriert.

Feine Verzierungen dank Restaurierung wieder freigelegt

In den Restaurierungswerkstätten des RGZMs wurden sowohl die plastischen Teile der Henkel als auch ihre fein gravierte Verzierung herausgearbeitet. Bei einem Exemplar fand man außerdem den verbrannten Ton-Kern des hohlgegossenen Henkels. Obwohl die Gefäßkörper beider Exemplare aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes nicht mehr zu rekonstruieren waren, vermitteln die restaurierten Henkel einen Eindruck des ursprünglichen Aussehens der kostbaren Gefäße und erlauben ihre wissenschaftliche Auswertung. 

Forschung am RGZM zu einem der reichsten Gräber des 6. Jhs. v. Chr. in der europäischen Vorgeschichte 

Vor zwei Jahren übernahm das RGZM – in Kooperation mit dem Polo Museale und der Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio der Region Marche – die wissenschaftliche Aufarbeitung des bedeutenden Grabkomplexes der »Regina von Sirolo-Numana«. Er gilt als Schlüsselfund für die Vorgeschichte Europas. Keine andere Bestattung im Mittelmeerraum sowie in Mitteleuropa weist über 1.500 Trachtbestandteile sowie die Deponierung von zwei Wagen, einem prächtigen Trinkgeschirrsatz mit attischer Keramik und Bronzegefäßen und sogar einer griechischen Kline auf. 

Während die Anordnung der Beigaben in der eigentlichen Bestattungsgrube dem einheimischen Ritus folgt, zeigt sich in der sogenannten Bankett-Grube ein anderes Bild: Zahlreiche importierte Beigaben aus unterschiedlichen Regionen waren dort wie für ein Festgelage angeordnet und spiegeln den Einfluss fremder Kulturen wider. 

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Pressekontakt für das RGZM

Ebru Esmen
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-165, E-Mail: esmen(at)rgzm.de   


Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Derzeit richtet das RGZM seine Forschung neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.