Pressemitteilung | 10. Dezember 2019 

Eröffnung der Pop-Up-Ausstellung "Ein Stück Heimat" im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz am 9. Dezember 2019 (Foto: RGZM / R. Müller).

Eröffnung der Pop-Up-Ausstellung "Ein Stück Heimat" im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz am 9. Dezember 2019 (Foto: RGZM / R. Müller).

Eröffnung der Pop-Up-Ausstellung "Ein Stück Heimat" im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz am 9. Dezember 2019 (Foto: RGZM / R. Müller).


Pressemitteilung (PDF)
Booklet zur Pop-Up-Ausstellung


Das RGZM zu Gast im Staatstheater Mainz: Pop-Up-Ausstellung „Ein Stück Heimat“ eröffnet am 11. Dezember 2019

Mainz. Mit der Pop-Up-Ausstellung „Ein Stück Heimat“ im Foyer des Kleinen Hauses greift das Römisch-Germanische Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), die aktuellen Debatten um den Begriff Heimat auf. Im Vorfeld der Ausstellung hatten Wissenschaftler/-innen mit Menschen aus der Umgebung über ihr Empfinden von Heimat gesprochen. Gleichzeitig überließen die Teilnehmer/-innen ihr persönliches Stück Heimat in Form eines Objektes, die in der Pop-Up-Ausstellung archäologischen Exponaten gegenübergestellt werden. „Ein Stück Heimat“ kann vom 11. Dezember 2019 bis 31. Januar 2020 mittwochs bis sonntags bei freiem Eintritt besucht werden. Sie bildet einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum neuen Museum, das 2022 am neuen Standort in der Neutorstraße eröffnen wird. Die Pop-Up-Ausstellung findet im Rahmen des Aktionsplans Leibniz-Forschungsmuseen statt.

Die Pop-Up-Ausstellung widmet sich gezielt den Fragen: Wie manifestiert sich Heimat in Dingen? Welche Wirkung haben diese Dinge auf uns? Dabei können nicht nur die Besucherinnen und Besucher des Staatstheaters das Zusammenspiel von damals und heute besichtigen: Denn der Intendant des Staatstheaters Mainz Markus Müller sieht sich nicht nur als Gastgeber für das RGZM, sondern öffnet die Türen für die breite Öffentlichkeit.

Er betont den gemeinsamen gesellschaftlichen Ansatz beider Institutionen: „Die Stimmen, die Theater zu Museen eines von ihnen festgelegten deutschen Kanons machen wollen, werden immer lauter. Theater und Museen sollen für sie vor allem eines leisten – bewahren, vor dem Fremden schützen, nationale Identität behaupten. Das ist ebenso gefährlich wie falsch. Wir freuen uns darum besonders, dass das RGZM, so wie wir, genau das Gegenteil tut: sich öffnet, den Diskurs mit den Besucher*innen sucht. Und mit seiner Pop-Up-Ausstellung den Theaterraum dafür nutzt, Vergangenheit und Gegenwart auf das zu untersuchen, was Menschen Heimat sein kann. Denn besonders in Zeiten von Flucht und Vertreibung muss es darum gehen, Heimat an einem zunächst fremden Ort neu entstehen zu lassen. Dafür sind wir gerne Gastgeber!“

Welche Geschichten erzählen Objekte von heute und damals?

67 Teilnehmer/-innen brachten ein Objekt ihrer Wahl mit, und sprachen darüber, warum dieses für sie „Ein Stück Heimat“ ist. Diese Alltagsgegenstände werden in der Pop-Up-Ausstellung zu Exponaten, die zusammen mit archäologischen Objekten aus der 167-jährigen Sammlung des RGZM den Kern der Ausstellung bilden. „Die modernen Objekte zeigen auf, wie sich positive Gefühle und Erinnerungen aus der Kindheit an Objekte binden“, erläutert Ausstellungskuratorin Dr. Henriette Baron und fährt fort: „Die Archäologie in der Ausstellung beleuchtet diese Annahme über die Zeiten hinweg und interkulturell, indem sie anhand der Forschung zu materiellen Hinterlassenschaften aus mehreren Jahrtausenden aufzeigt, wie Menschen von ihrem Umfeld geprägt wurden und wie sie diese Eindrücke in Form von Objekten in neue Lebensräume mitnahmen.“

Die Fragestellung, wie sich Heimat in Dingen manifestiert und welche Bedeutung diese Dinge für uns haben, betrachtet die Archäologie wissenschaftlich in Langzeitperspektive: Welche für Menschen prägende Wahrnehmungen hängen an archäologischen Funden? Und welche dieser Prägungen war so wichtig, dass sie bei Migration, Reisen und anderen Ortswechseln als ein Stück Heimat mitgenommen wurden? Objekte dienten damals wie heute in einem neuen Umfeld als heimatlicher Anker und sind in kulturelle und soziale Praktiken eingebunden. Dasselbe Phänomen zeigen die modernen Objekte auf: Individuelle Geschichten und Erinnerungen binden sich an Objekte, die für Menschen ein Stück Heimat sind. 

Der Neubau des RGZM – ein Ort des Dialogs

Die Generaldirektorin des RGZM Prof. Dr. Alexandra W. Busch fasst zusammen: „Wir haben den gesellschaftlichen und politischen Diskurs um den Heimatbegriff kritisch beobachtet und sind der Meinung, dass wir mit unserer Langzeitperspektive auf den Menschen und seine Entwicklung einen wertvollen Beitrag zu einem besseren Verständnis dessen leisten können, was es ist, das „Heimat“ für Menschen eigentlich ausmacht. Die Archäologie untersucht die materiellen Hinterlassenschaften aus 2,6 Millionen Jahren Menschheitsgeschichte und ist damit nicht nur in der Lage menschliches Verhalten und Handeln zu rekonstruieren, sondern auch Rückschlüsse auf Regelwerke und Wertesysteme sowie gesellschaftliche Entwicklungen zu ziehen. Das heißt wir beschäftigen uns mit zentralen Fragen, die Mensch und Gesellschaft betreffen. Diese Pop-Up-Ausstellung soll einen Vorgeschmack auf unsere neue Dauerausstellung im Neubau unseres Forschungsmuseums geben. Angelegt als ein Ort des Dialogs, in dem die Öffentlichkeit erfahren kann, dass Archäologie einen Erkenntniswert für die Gegenwart bietet.“

Prof. Dr. Konrad Wolf, Wissenschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz, freut sich über die Entscheidung des RGZM, bei der Vermittlung seiner Forschungsergebnisse mit neuen Methoden in neue Räume vorzudringen: „Das RGZM ist als Forschungsmuseum mehr noch als andere wissenschaftliche Institute in der Verantwortung, Forschungserkenntnisse in die Gesellschaft zu vermitteln. Dieser Verantwortung kommt das Institut durch seine Kooperation mit dem Staatstheater in besonders innovativer Weise nach. Das von Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Bund und der Stadt Mainz finanzierte neue Institutsgebäude an der Neutorstraße wird das RGZM in die Lage versetzen, weitere spannende Schritte in diese Richtung zu unternehmen.“

Das RGZM wird mit seinen Forschungseinrichtungen, der umfangreichen Bibliothek, den Restaurierungswerkstätten und der neuen, rund 2000 m² großen Dauerausstellung insgesamt rund 14.500 m² Nutzfläche einnehmen. Dazu gehören ein Sonderausstellungsbereich von etwa 800 m², eine Studiensammlung, ein Vortragssaal, ein Forum sowie die Räume für die Wissenschaftspädagogik. Sie werden für die Präsentation aktueller Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Presseinformationen

Ebru Esmen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stabsstelle Medien)
Tel.: +49 (0) 6131/9124-165  |  Mail: esmen(at)rgzm.de 

Download Pressematerialien

Bildmaterial erhalten Sie auf Anfrage.


Pop-Up-Ausstellung Ein Stück Heimat  

Foyer des Kleinen Hauses, Staatstheater Mainz

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Samstag 14 bis 19:30 Uhr
Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr
Eintritt frei

Weiterführende Links

Pop-Up-Ausstellung Ein Stück Heimat
http://bit.ly/2OLBXFM 

Aktionsplan der Leibniz-Forschungsmuseen
https://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/forschungsmuseen/aktionsplan.html

Römisch-Germanisches Zentralmuseum | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM)

Das RGZM ist ein international tätiges Forschungsinstitut und Museum für Archäologie mit drei Standorten in Rheinland-Pfalz (Mainz, Mayen, Neuwied). Seit Gründung im Jahre 1852 widmet es sich dem materiellen Erbe der Menschheit vom Pleistozän bis zum Mittelalter mit dem Ziel, menschliches Verhalten, Handeln und Denken sowie Entwicklung und Transformation von Gesellschaften zu verstehen. Die Konzentration von verschiedensten Expertisen – darunter Archäologie, Naturwissenschaften, Restaurierung und IT – innerhalb des Instituts ermöglicht es, menschliche Hinterlassenschaften aus unterschiedlichen Perspektiven über einen Zeitraum von 2,6 Millionen Jahren zu untersuchen. Als eines von acht Leibniz-Forschungsmuseen vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Wissenschaftswelt und die breite Öffentlichkeit. Hierzu dienen Dauer- und Sonderausstellungen, Publikationen sowie diverse Veranstaltungen. Der hauseigene Verlag gibt drei Fachzeitschriften und zahlreiche wissenschaftliche Monografien heraus.