Pressemitteilung | 1. Februar 2019 

Lebensbild einer Doppelbaracke im Lager der 8. Legion (nach den Ergebnissen der Fundstätte »4 rue Brûlée«); Zeichnung: Ch. Gaston/Inrap.

Römische Fibel, in der Doppelbaracke (»4 rue Brûlée«) von einem Soldat der 8. Legion verloren; Foto: F. Schneikert/Inrap.

Luftbild vom Straßburger Zentrum mit dem Umriss des Militärlagers (ca. 20 ha) der 8. Legion Augusta. Die „Rue des Hallebardes“ entspricht der via praetoria und die „Rue du Dôme“ der via principalis des Legionslagers; Luftbild: SIG-CUS, 2010.

Kataster des Straßburger Zentrums mit der schematischen Organisation des Militärlagers (ca. 20 ha) der 8. Legion Augusta; Graphik: P. Girard, G. Kuhnle/Inrap.

Lebensbild des im ausgehenden 1. Jh. gebauten Holz-Erde-Walls des Lagers der 8. Legion (nach den Ergebnissen der Fundstätte »Grenier d’Abondance«); Zeichnung: Ch. Gaston/Inrap.

Lebensbild der im 2. Jh. dem Holz-Erde-Wall vorgeblendeten Steinmauer des Lagers der 8. Legion (nach den Ergebnissen der Fundstätte »Grenier d’Abondance«); Zeichnung: Ch. Gaston/ Inrap.

Silbermünze (Denar) des Kaisers Domitian, geprägt im Jahr 83 n. Chr. in Rom, aus dem Holz-Erde-Wall (Fundstätte »Grenier d’Abondance«); Foto: F. Schneikert/Inrap.

Ziegelstempel LEG VIII AVG für legio VIII Augusta. Die 8. Legion betrieb ihre eigene Ziegelei in Strasbourg-Koenigshoffen; Foto: F. Schneikert/Inrap.


Pressemappe


Deutsch-Französische Forschung: Neue Erkenntnisse zur römischen Militärpräsenz in Straßburg veröffentlicht

Mainz/Straßburg. Die Forschungen der letzten Jahrzehnte zur römischen Militärpräsenz und zum Lager der 8. Legion in Straßburg sind im Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) veröffentlicht worden. Die deutsche Archäologin und langjährige Mitarbeiterin des französischen Forschungsinstituts für präventive Archäologie (Inrap), Dr. Gertrud Kuhnle, legt mit ihrer zweiteiligen Monographie nicht nur die Ergebnisse dieser Forschungen vor, sie ergänzt sie zudem mit Fachbeiträgen aus der Naturwissenschaft. Die Monographie ist in französischer Sprache verfasst; eine ausführliche Zusammenfassung und drei der neun Annexe sind auf Deutsch.

Nahezu überall haben die Römer Spuren hinterlassen: In ihrer gerade erschienenen Forschungsarbeit widmet sich Gertrud Kuhnle der aufgearbeiteten Geschichte des römischen Straßburg vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. sowie die der 8. Legion Augusta der römischen Armee. „Ich blicke auf 27 Jahre Berufserfahrung in Frankreich zurück; dabei liegen die meisten und wichtigsten archäologischen Stätten der vorrömischen Epochen und der Römerzeit, die ich prospektieren und/oder ausgraben durfte, im Elsass“, erklärt die Autorin. „Das Thema zum römischen Straßburg konnte ich mit Unterstützung des Inrap aufarbeiten. Hierzu bilden die Erkenntnisse von zwei Ausgrabungen im Straßburger Stadtkern, die ich in den Jahren 1999/2000 sowie 2008 leitete, das Rückgrat zu den Ergebnissen meiner Forschungen.“

Das heutige Straßburg – ein Zeugnis der Römer?

Erste städtische Entwicklungen Straßburgs haben ihren Ursprung in der Errichtung des römischen Militärlagers der 8. Legion. Die Hauptachsen der Anlage sind noch heute im Stadtbild zu erkennen. Die zwei unter der Leitung der Autorin durchgeführten Ausgrabungen auf dem Areal des Legionslagers (»Grenier d’Abondance« 1999/2000, »4 rue Brûlée« 2008), bei denen ein Backhaus und eine Doppelbaracke entdeckt wurden, lieferten neue Erkenntnisse über die Entwicklung der fast 20 Hektar großen Anlage. „Die Soldaten der 8. Legion Augusta errichteten im ausgehenden 1. Jahrhundert einen Holz-Erde-Wall, dem im 2. Jahrhundert eine Steinmauer vorgeblendet wurde. Durch eine weitere vorgeblendete Verstärkung in spätrömischer Zeit hat sich die Befestigung des Legionslagers weit über die Antike hinaus erhalten“, stellte Getrud Kuhnle fest.

So führten zahlreiche Funde zu interdisziplinären Forschungen durch deutsche, französische und Schweizer Kollegen: Deren Studien untersuchen u.a. Münzen, Keramik, Metall, Glas, Tierknochen, Wandmalerei, Baumaterial aus Stein und Erde und gewähren somit einen detaillierten Einblick in die Lebensbedingungen der römischen Soldaten in Straßburg. Die Ergebnisse dieser Fachbeiträge, von denen neun auch als Annexe erscheinen, sind in der Monographie zusammengefasst.

Zur Autorin

Nachdem Gertrud Kuhnle in Straßburg ihr Studium der Kunstgeschichte und Archäologie – mit dem Schwerpunkt über die spätrömischen Befestigungen im Rheintal zwischen Bodensee und Bingen – absolvierte (1991), war sie als Archäologin mit Fokus auf die Themen Stadtarchäologie und Römerzeit beim französischen Forschungsinstitut für präventive Archäologie, Inrap, fest angestellt (1991-2018).

Neben der beruflichen Tätigkeit beim Inrap als wissenschaftliche Grabungsleiterin führte sie, aufbauend auf die Ergebnisse ihrer Straßburger Stadtkerngrabungen, ihre Forschungen weiter und promovierte 2015 bei Professor Michel Reddé (EPHE, Paris) über das Lager der 8. Legion und die römische Militärpräsenz in Straßburg/Argentorate.

Ende Mai 2018 wechselte Gertrud Kuhnle zum Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und trat eine Stelle als Referentin für Archäologie am Dienstsitz Freiburg an. Dort ist sie für die Kulturdenkmale der vorgeschichtlichen Epochen und der römischen Zeit in den Landkreisen Emmendingen, Lörrach, Ortenau und Tuttlingen zuständig.

Die – vor allem bezüglich  der Inschriften erweiterte - Doktorarbeit erschien zum Jahreswechsel unter dem Titel „Argentorate. Le camp de la VIIIe légion et la présence militaire romaine à Strasbourg“ in der Reihe Monographien des RGZM, Band 141.

Buchdaten

Titel: Argentorate. Le camp de la VIIIe légion et la présence militaire romaine à Strasbourg
Sprache: französisch
Reihe: Monographien des RGZM, Band 141, 2 Bände
Auflage: 1. Auflage, 2018
Ausstattung: 234 meist farbige Tafeln
Einbandart: Hardcover (fadengeh. Pappband)
Seitenzahl: 544
Format: 21 x 30 cm
Gewicht: 4210 g
Lieferbarkeit: Lieferbar
Preis: 120,00  €
Erscheinungstermin: 10.01.2019
ISBN: 978-3-7954-3365-9

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Die Pressemappe mit Pressemitteilung, -bildern sowie Bildunterschriften finden Sie unter folgendem Link: https://cloud.rgzm.de/index.php/s/39ZjLdjjaA2hbiU

Sprachen: deutsch und französisch
 

Pressekontakt

Römisch-Germanisches Zentralmuseum
Ebru Esmen M.A.  
esmen(at)rgzm.de  |  Tel.: 06131 91 24 165

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Getrud Kuhnle
gertrud.kuhnle(at)rps.bwl.de  |  Tel.: 0761 208 35 84