Presseinformation | 10. Mai 2022 

Ausschnitt des Buchcovers (Verlag des RGZM).

Buchcover (Verlag des RGZM).



Die Einwanderung von Angelsachsen ins Frankenreich aus archäologischer Sicht

Zeitgleich als Printausgabe und im Open Access erscheint die neueste Monographie des RGZM: Mechthild Schulze-Dörrlamm widmet sich darin der "angelsächsischen Mission", einer geistigen Bewegung, bei der gebildete Menschen auszogen, um das Christentum zu lehren. In dem reich illustrierten Buch werden erstmals 70 Männer und 15 Frauen, die nachweislich aus Angelsachsen eingewandert sind, mit ihren Namen und Lebensdaten vorgestellt. Grundrisse von Sakralbauten und neue Verbreitungskarten runden das Werk ab.

 

Im 8. Jahrhundert lag der Höhepunkt einer geistigen Bewegung, die viele hoch gebildete Männer sowie einige Frauen aus Angelsachsen dazu veranlasst hatte, auf den Kontinent auszuwandern. Deren Ziel war es, die heidnische Bevölkerung – insbesondere Friesen und die stammesverwandten Altsachsen – für das Christentum zu gewinnen oder deren religiöse Bildung zu verbessern. Vor allem im nördlichen und östlichen Frankenreich arbeiteten sie zeitlebens als Missionare, Priester, Mönche und Nonnen, Lehrer oder Lehrerinnen, teils auch als Gelehrte. Von den Teilnehmern an der „angelsächsischen Mission“ sind heute nur wenige allgemein bekannt, z. B. der in Friesland ermordete Erzbischof Bonifatius und der Missionar Willibrord von Echternach, weil es bisher fast unmöglich war, sich ein umfassendes Bild dieses Personenkreises zu verschaffen.

In dem reich illustrierten Buch werden erstmals 70 Männer und 15 Frauen, die nachweislich aus Angelsachsen eingewandert sind, mit ihren Namen und Lebensdaten vorgestellt. Es enthält überdies Grundrisspläne der von ihnen gegründeten Kirchen und Klöster, zeigt die heute noch erhaltenen Gegenstände aus ihrem Besitz und dokumentiert ihre Gräber sowie das einzigartige Bonifatius-Grabmal in Mainz. Fünf neue Verbreitungskarten zeigen nicht nur die Lage von Wirkungsstätten und Begräbnisplätzen der Einwanderer, sondern auch der heutigen Aufbewahrungsorte von Werken der angelsächsischen Kunst und des Kunsthandwerks sowie der Fundorte archäologischer Gegenstände angelsächsischer Herkunft im Frankenreich.

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The 8th century was the peak of an intellectual movement that had led many highly educated men as well as some women from Anglo-Saxons to emigrate to the continent. Their aim was to win the pagan population - especially Frisians and the tribally related Old Saxons - for Christianity or to improve their religious education. Especially in the northern and eastern Frankish Empire, they worked throughout their lives as missionaries, priests, monks and nuns, teachers or instructresses, and sometimes also as scholars. Only a few of the participants in the "Anglo-Saxon mission" are generally known today, e.g. Archbishop Boniface, who was murdered in Friesland, and the missionary Willibrord of Echternach, because until now it has been almost impossible to obtain a comprehensive picture of this group of people.

In this richly illustrated book, 70 men and 15 women who can be proved to have immigrated from Anglo-Saxons are presented for the first time with their names and dates of life. It also contains floor plans of the churches and monasteries they founded, shows the objects from their possessions that still exist today and documents their graves as well as the unique Boniface tomb in Mainz. Five new distribution maps show not only the location of the immigrants' places of activity and burial places, but also the present-day repositories of works of Anglo-Saxon art and crafts as well as the sites of archaeological objects of Anglo-Saxon origin in the Frankish Empire.

Buchdaten

Mechthild Schulze-Dörrlamm 
Die Einwanderung von Angelsachsen ins Frankenreich aus archäologischer Sicht
Zu den Spuren der »angelsächsischen Mission« im ausgehenden 7. bis mittleren 9. Jahrhundert
Monographien des RGZM, Band 158
1. Auflage 2022, 140 Seiten mit 61 meist farbigen Abbildungen, 21 x 30 cm, Hardcover, fadengeheftet
ISBN 978-3-88467-348-5

Bestellen Sie die Printausgabe für € 45,– per Mail an: verlag(at)rgzm.de 

Diese Publikation ist auf www.propylaeum.de dauerhaft frei verfügbar (Open Access).
DOI: https://doi.org/10.11588/propylaeum.1025 
URN: urn:nbn:de:bsz:16-propylaeum-ebook-1025-5 
e-ISBN:  978-3-96929-143-6 (PDF)

Pressestelle des RGZM

Ebru Esmen M.A.
presse(at)rgzm.de 

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Das Römisch-Germanische-Zentralmuseum (RGZM) erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie die materiellen Hinterlassenschaften aus 2,6 Mio. Jahren Menschheitsgeschichte. Ziel ist es, anhand archäologischer Funde und Befunde menschliches Verhalten und Handeln, menschliches Wirken und Denken sowie die Entwicklung und Veränderung von Gesellschaften aufzuzeigen und zu verstehen. Das RGZM ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas, wobei ein geographischer Schwerpunkt auf Mittel- und Südeuropa sowie dem mediterranen Raum liegt. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven, erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben. In sechs interdisziplinären und zeitübergreifenden Forschungsfeldern werden grundlegende Fragen der Menschheitsgeschichte untersucht, die von der Evolution unseres Verhaltens bis hin zu komplexen gesellschaftlichen Systemen und Mensch-Umwelt-Beziehungen reichen. Der weit größte Teil der Menschheitsgeschichte ist uns nur über materielle Hinterlassenschaften und Spuren menschlicher Aktivität überliefert. Damit stellt dieses Vermächtnis die grundlegende Quelle des Wissens über unsere biologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung dar.