Pressemitteilung | 4. August 2021 

Angelieferte Objekte aus dem Depot des Stadtmuseums Ahrweiler werden im Museum für Antike Schifffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums gesäubert, Konservierungswerkstatt Holz; Foto: RGZM / E. Esmen.

Reinigung der Holzrohre einer mittelalterlichen Wasserleitung aus dem havarierten Stadtmuseum Ahrweiler durch die Restauratoren des RGZM im Museum für Antike Schifffahrt, Konservierungswerkstatt Holz; Foto: RGZM / E. Esmen.

Angelieferte Objekte aus dem Depot des Stadtmuseums Ahrweiler werden im Museum für Antike Schifffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums gesäubert, Konservierungswerkstatt Holz; Foto: RGZM / E. Esmen.



Erste-Hilfe für Kulturgut: RGZM versorgt beschädigte archäologische Objekte aus dem Stadtmuseum Ahrweiler

Mainz. Die im Juli wütende Flutkatastrophe im Westen Deutschlands traf auch das Depot des Stadtmuseums in Ahrweiler. Um die Sammlungsobjekte schnell zu versorgen und nach Möglichkeit zu retten, richtete das Römisch-Germanische Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM) innerhalb kürzester Zeit Räumlichkeiten und provisorische Reinigungsstationen in der Restaurierungswerkstatt des Museums für Antike Schifffahrt ein. Eine fünfköpfige Task-Force erwartet in Kürze eine weitere LKW-Lieferung mit Objekten aus Ahrweiler. Das RGZM folgt mit der Aktion dem bundesweiten Notruf des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz.

Die verdreckten und beschädigten Objekte erhalten am RGZM Erste Hilfe und werden in erster in Linie mit Wasser- und Luftdruck gereinigt. Markus Wittköpper der zuständige Restaurator für Nassholzkonservierung am RGZM, berichtet über seine Erfahrungen mit Holzobjekten aus dem Stadtmuseum Ahrweiler: “Je nach Erhaltungszustand gehen wir ganz individuell bei der Reinigung vor. Der Verlust an originaler Holzsubstanz ist zu vermeiden, die Fragilität der Objekte entscheidet über die Wahl der Reinigungsmethode. Dass der Kontakt mit Wasser, oder in diesem Fall besser "Schlammbrühe", musealen Objekten in großem Maße schädigt, muss man niemandem erklären. Bei den bisher angelieferten, vollständig durchnässten, schlicküberzogenen Holzobjekten, besteht die Gefahr von Schimmelbildung, aber auch Trocknungsschäden wie Rissbildung oder Verformung. Durch eine langsame kontrollierte Trocknung sollen diese Risiken vermieden oder zumindest verringert werden." Für den Prozess der Reinigung und Trocknung sind bisher zwei Monate eingeplant.

Ein Stück Normalität –
mit dem Beitrag zur Rettung von archäologischen Objekten aus Ahrweiler

Archäologin und Koordinatorin der Task-Force am RGZM Dr. Christiane Nowak-Lipps erklärt: „Wir haben natürlich auf diesen Hilferuf reagiert und angeboten, alle archäologischen Objekte für die Säuberung zu übernehmen und zwischenzulagern, bis das Stadtmuseum in Ahrweiler eine Alternative für ein Depot gefunden hat. Eine genaue Anzahl der Stücke liegt uns noch nicht vor. Wir erwarten unter anderem archäologische Objekte aus Keramik und Metall der lokalen Hunsrück-Eifel-Kultur sowie römische Reliefkeramik und römisches Glas.“ Die Erstversorgung vor Ort erfolgte durch das Technische Hilfswerk (THW) und ein Team des Notfallverbundes Thüringen aus Weimar mit vollausgestattetem Notfall-LKW. Sie übernahmen die Bergung der Objekte und bereiteten sie für den Transport vor.

„Das was den Menschen durch die Unwetter und Flut widerfahren ist, bestürzt uns sehr. Mit unserer Erste-Hilfe-Maßnahme möchten auch wir einen Beitrag dazu leisten, einen Teil der kulturellen Vergangenheit zu retten und den Menschen vor Ort wieder irgendwann ein Stück ihrer Identität zu geben. Wir fühlen uns verpflichtet, das kulturelle Erbe zu schützen und zu bewahren sowie kommenden Generationen anhand dieser Zeugnisse die Entwicklungsgeschichte vergangener Gesellschaften, die Parallelen bis in unsere Gegenwart aufzeigen, näher zu bringen“, so fasst die Generaldirektorin des RGZM Professorin Alexandra W. Busch den Einsatz der Task-Force zusammen.

Das RGZM ist Partner im weltweiten KulturGutRetter Projekt

Um Kulturgut schnell sichern und retten zu können, haben sich für das Inland nach Katastrophen wie in Weimar, Köln, Halle und Dresden u.a. Notfallverbünde gegründet. Für Einsätze mit einem Schwerpunkt im Ausland ist die Initiative der KulturGutRetter entstanden, in welcher sich auch das RGZM engagiert. Das vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) koordinierte Archaeological Heritage Network (ArcHerNet) entwickelt zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und dem RGZM gemeinsam mit vielen Partnern und Institutionen im In- und Ausland einen Mechanismus, um Erste Hilfe für mobiles und immobiles Kulturgut leisten zu können. Ziel ist es bis 2023 einen Rettungsmechanismus entwickelt zu haben, um im Krisenfall weltweit schnell, kompetent und effektiv Hilfe für Kulturgüter in Gefahr leisten zu können. Dieser Mechanismus muss nach 2023 in die internationalen Katastrophenmechanismen eingebunden und in seinen Strukturen fest implementiert werden. Finanziert wird die Entwicklung des Mechanismus durch das Auswärtige Amt.

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Pressekontakt

Ebru Esmen M.A.
Arbeitsbereich Kommunikation
esmen(at)rgzm.de 


Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Derzeit richtet das RGZM seine Forschung neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.