Pressemitteilung | 23. September 2021 

Ausgrabung am Kapellenberg bei Hofheim am Taunus: Eingetiefte Behausung mit Steinlage als Fundament Foto: RGZM / D. Gronenborn.

Ausgrabung am Kapellenberg bei Hofheim am Taunus: Grube unterhalb der eingetieften Behausung Foto: RGZM / D. Gronenborn.

Digitale Rekonstruktion der Besiedlung auf dem Kapellenberg, um 3750 v. Chr., Ende September Rekonstruktion: Architectura Virtualis/RGZM/Magistrat der Stadt Hofheim



Kapellenberg Hofheim: Archäologische Grabungskampagne gibt Aufschluss über verschiedene Besiedlungsphasen und Lebensumstände vor 6000 Jahren

Mainz/Hofheim. Trotz Pandemiebedingungen ist die diesjährige Grabungskampagne auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus erfolgreich abgeschlossen worden. Die etwa 45 Hektar große Wallanlage weist gut erhaltene Siedlungsstrukturen auf, die über verschiedene Phasen der Besiedlung des 6000 Jahre alten jungsteinzeitlichen Fundplatzes Aufschluss geben. Das Forschungsprojekt ist Teil einer langjährigen Kooperation zwischen dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der hessenARCHÄOLOGIE und der Stadt Hofheim. Studierende der Mainzer Universität absolvieren auf der Grabung ihr Praktikum.

Im Fokus der Untersuchungen steht ein Hausgrundriss („Grubenhaus“) in der Nähe des Meisterturmes. Aufgrund des sehr guten Erhaltungszustands unterliegen die Überreste des Hauses einer besonders sorgfältigen Untersuchung. Anhand der diesjährigen Ergebnisse und Erkenntnissen aus vergangener Forschung konnte das Archäologen-Team um Projektleiter Prof. Detlef Gronenborn (RGZM) die Datierung der ehemaligen Behausung auf die Hauptbesiedlungszeit (3750 und 3650 v. Chr.) des Kapellenbergs bestätigen. Gronenborn ergänzt: „In diesen Jahrhunderten hat es in ganz Europa eine deutliche Bevölkerungszunahme gegeben, die jedoch nach 3650 v. Chr. wieder stark rückläufig war. Das war vermutlich eine Periode zunehmender Konflikte, wie die letzte Wallphase am Kapellenberg auch eindrucksvoll zeigt, aber auch eine klimatisch unruhige Zeit, ähnlich wie wir sie heute erleben.“

Konflikte, Umwelt- und Klimaprobleme auch vor 6000 Jahren präsent

„Wir sind froh, dass trotz der Pandemie auch die Grabungskampagnen an unserem Hausberg, dem Kapellenberg, weitergehen. Das Interesse der Hofheimerinnen und Hofheimer an dessen Historie ist ungebrochen groß, wie wir am großen Zuspruch für den im vergangenen Jahr eröffneten archäologischen Rundweg sehen können“, sagt Bürgermeister Christian Vogt. „In Zukunft wollen wir die Forschungen deshalb weiter unterstützen und intensiv begleiten. Ziel bleibt es, die Ergebnisse für die Menschen erlebbar zu machen.“

"Die Archäologie kann selbst am Kapellenberg nicht jedes Jahr neue Sensationen bringen, wie den Grabhügel, den wir im letzten Jahr vorstellen konnten. Dazwischen gibt es immer Phasen in denen wir ein Puzzleteil nach dem anderen zusammenfügen. Aber diese Einzelteile fügen sich dann zu einem neuen Bild dieser für Europa so wichtigen Epoche zusammen. Und zunehmend erkennen wir, dass diese so ferne Zeit unserer Gegenwart doch in vielem sehr ähnlich ist: Konflikte, Umwelt- und Klimaprobleme, und vielleicht auch Seuchen haben das Leben ebenso vor 6000 Jahren bestimmt und konnten nicht immer gelöst werden. Allerdings lernen wir aus den Erkenntnissen von damals, wie wir es heute besser machen könnten“, ergänzt der Projektleiter.

Nach intensiver Forschung: Archäologischer Rundweg auf dem Kapellenberg 

In einem gemeinsamen Projekt mit der Stadt Hofheim und weiteren Partnern ist 2020 ein archäologischer Rundweg auf dem Kapellenberg eingeweiht worden. Dieser verdeutlicht die Spuren der Besiedlung, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Ein Höhepunkt ist die 6000 Jahre alte Wallanlage aus der Zeit der Michelsberger Kultur, die noch deutlich zu erkennen ist. Der vier Kilometer lange Rundweg mit seinen Informationstafeln liefert nun Interessierten viele Hintergründe zum Kapellenberg in den verschiedenen Epochen.
  

Weiterführende Links:

Das RGZM informiert über den Fortlauf der Untersuchungen unter:
www.rgzm.de/kapellenberg

Archäologischer Rundweg:
https://www.hofheim.de/tourismus/Archaeologischer_Rundweg/archaeologischer-rundweg.php

Pressestelle RGZM | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Ebru Esmen M.A.
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-165  |  E-Mail: esmen(at)rgzm.de

Wissenschaftlicher Kontakt | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Prof. Dr. Detlef Gronenborn
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-0 | E- Mail: gronenborn(at)rgzm.de

Ansprechpartner für die Presse der Stadt Hofheim

Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus
Jonathan Vorrath
Tel. 06192 / 202 – 368 | E-Mail: jvorrath(at)hofheim.de

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) | Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Das Römisch-Germanische-Zentralmuseum (RGZM) erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie die materiellen Hinterlassenschaften aus 2,6 Mio. Jahren Menschheitsgeschichte. Ziel ist es, anhand archäologischer Funde und Befunde menschliches Verhalten und Handeln, menschliches Wirken und Denken sowie die Entwicklung und Veränderung von Gesellschaften aufzuzeigen und zu verstehen. Das RGZM ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas, wobei ein geographischer Schwerpunkt auf Mittel- und Südeuropa sowie dem mediterranen Raum liegt. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven, erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben. In sechs interdisziplinären und zeitübergreifenden Forschungsfeldern werden grundlegende Fragen der Menschheitsgeschichte untersucht, die von der Evolution unseres Verhaltens bis hin zu komplexen gesellschaftlichen Systemen und Mensch-Umwelt-Beziehungen reichen. Der weit größte Teil der Menschheitsgeschichte ist uns nur über materielle Hinterlassenschaften und Spuren menschlicher Aktivität überliefert. Damit stellt dieses Vermächtnis die grundlegende Quelle des Wissens über unsere biologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung dar.