Pressemitteilung des Magistrats der Stadt Hofheim vom 22. August 2020 

V. r. n. l. Jutta Nothacker (Geschäftsführerin Stiftung Flughafen), Bürgermeister Christian Vogt, Stadtverordnetenvorsteher und Prof. Dr. Detlef Gronenborn (RGZM) eröffneten am 22. August 2020 den Archäologischen Rundweg über den Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. Foto: RGZM / E. Esmen



Kapellenberg Hofheim: Pompeji der Steinzeit nun zu Fuß entdecken

Hofheim/Mainz. Auf dem Kapellenberg in Hofheim wartet ab sofort eine besondere Attraktion auf Besucherinnen und Besucher: Der Archäologische Rundweg, der sich mit der bewegten Geschichte des Bergs beschäftigt, ist am Samstag, dem 22. August feierlich eröffnet worden. Die Spuren der Besiedlung reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Ein Höhepunkt ist die 6000 Jahre alte Wallanlage aus der Zeit der Michelsberger Kultur, die noch deutlich zu erkennen ist. Der vier Kilometer lange Rundweg mit seinen Informationstafeln liefert nun Interessierten viele Hintergründe zum Kapellenberg in den verschiedenen Epochen. Unter Einberechnung von Lesezeit für Tafel und Stelen sollten sich Interessierte zwei Stunden für die Begehung Zeit nehmen. Startpunkt des Wegs ist am Aufgang zum Meisterturm, abzweigend vom Kreuzweg.

"Der Kapellenberg ist nicht nur für das Rhein-Main-Gebiet eine einzigartige archäologische Fundstätte, seine wissenschaftliche Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Das zeigen schon die europäischen Verbindungen, die dort nachweisbar sind. Der Großgrabhügel verweist in die Bretagne, das Jadebeil in den westalpinen Raum. Auch ist die Erhaltung der Wälle für eine Anlage dieses Alters in ganz Europa einzigartig. Es ist und bleibt ein wahres Pompeji der Steinzeit. Mit dem Rundweg wollen wir die Öffentlichkeit über die wesentlichen Erkenntnisse des Projektes informieren. Wir sind sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger den Wert dieses einzigartigen Denkmales nun noch mehr würdigen werden“, so der Archäologe und Forschungsleiter Professor Detlef Gronenborn (RGZM).

Auf Grundlage dieser Forschung entstand die Idee, die Erkenntnisse dauerhaft vor Ort durch einen archäologischen Rundweg erfahrbar zu machen. Die Stiftung Flughafen Frankfurt am Main erklärte sich dankenswerterweise bereit, das Projekt finanziell zu unterstützten. Bei der Konzeption wurde der ehemalige historische Rundwanderweg, den vor vielen Jahren der Heimatforscher Rolf Kubon entworfen hatte, integriert. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Stadtarchivs, des Tourismusbüros der Stadt Hofheim, Vertretern des ehemaligen Geschichts- und Altertumsverein und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) wurde das Projekt geplant und die Wegeführung entwickelt. Das Design entspricht der Gestaltung der Routen des Kooperationspartners Regionalpark RheinMain und der Rundweg wird an dessen Routennetz angeschlossen.

„Wir sind in Hofheim in der glücklichen Lage, direkt auf unserem Hausberg einen der größten archäologischen Schätze der Region zu haben. Deshalb wollten wir helfen, diesen Schatz so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Ich denke, mit dem Archäologischen Rundweg ist uns dies geglückt und der Kapellenberg hat als Ausflugsziel eine spannende Attraktion hinzugewonnen“, sagt der Hofheimer Bürgermeister Christian Vogt.

Intensive Forschung mit jährlichen Grabungskampagnen seit 2008

Während der Ausarbeitung des Rundwegs gab es jährliche Ausgrabungen auf dem Kapellenberg, die neue Erkenntnisse lieferten. Diese fanden ebenfalls Platz auf den Tafeln des Wegs, welche die Grafikabteilung des RGZM unter Berücksichtigung der Vorgaben des Regionalparks gestaltete. Eine virtuelle Rekonstruktion des Kapellenbergs erstellt durch die Architektur Vitalis GmbH, einem Kooperationspartner der TU Darmstadt, runden den Weg ab. Druck und Aufbau der Schilder erfolgte durch die Firma GWE aus Eppstein.

Der Kapellenberg ist eines der ältesten noch sichtbaren archäologischen Denkmäler im Rhein-Main-Gebiet. Vor 6000 Jahren war die Region Drehscheibe eines europäischen Handelsnetzwerkes zwischen Mitteldeutschland und Frankreich. Es entstanden gewaltige Ansiedlungen wie Schierstein, Glaubberg in der Wetterau und der Kapellenberg bei Hofheim. Einzig jedoch die befestigte Siedlung auf dem Kapellenberg in Hofheim ist noch hervorragend erhalten, da die Erhebung in späterer Zeit nie mehr landwirtschaftlich genutzt oder überbaut wurde. An vielen Stellen ist die 6000 Jahre alte Wallanlage noch deutlich zu sehen, deren Innenfläche ausschließlich forstwirtschaftlich genutzt wird. Seit 2008 untersucht das Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie in Mainz (RGZM), in Zusammenarbeit mit der Johannes Gutenberg-Universität und der hessenARCHÄOLOGIE in einem langfristig angelegten Forschungsverfahren den Hofheimer Kapellenberg. Die Stadt Hofheim unterstützt seither die Grabungen an dieser einzigartigen archäologischen Fundstätte.

Das RGZM informiert über den Fortlauf der Untersuchungen unter:  www.rgzm.de/kapellenberg 
  

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Detlef Gronenborn (Projektleiter)
Tel.: +49 (0) 6131/ 9124-0 | E-Mail: gronenborn(at)rgzm.de

Pressekontakt Stadt Hofheim

Magistrat der Stadt Hofheim am Taunus
Jonathan Vorrath, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 06192 / 202 - 368, E-Mail: jvorrath(at)hofheim.de
www.hofheim.de

Pressekontakt RGZM

Annette Boegl M.A., Leitung Kommunikation
Tel.: 0160 58 88 062, E-Mail: presse(at)rgzm.de 

  
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Das Römisch-Germanische-Zentralmuseum (RGZM) erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie die materiellen Hinterlassenschaften aus 2,6 Mio. Jahren Menschheitsgeschichte. Ziel ist es, anhand archäologischer Funde und Befunde menschliches Verhalten und Handeln, menschliches Wirken und Denken sowie die Entwicklung und Veränderung von Gesellschaften aufzuzeigen und zu verstehen.

Das RGZM ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas, wobei ein geographischer Schwerpunkt auf Mittel- und Südeuropa sowie dem mediterranen Raum liegt Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven, erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben. In sechs interdisziplinären und zeitübergreifenden Forschungsfeldern werden grundlegende Fragen der Menschheitsgeschichte untersucht, die von der Evolution unseres Verhaltens bis hin zu komplexen gesellschaftlichen Systemen und Mensch-Umwelt-Beziehungen reichen. Zugunsten des Erkenntnisgewinns verbinden wir dabei Geistes- und Naturwissenschaften unter grundlegender Einbeziehung unserer restaurierungstechnischen Expertise in einem interdisziplinären Ansatz, der die unterschiedlichen Wissenschaftskulturen vernetzt.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) wurde im Jahr 1852 gegründet. Seit 2002 ist es Mitglied der renommierten Leibniz-Gemeinschaft.