Pressemitteilung | 26. November 2020 



Leibniz-Promotionspreise gehen nach Mainz und Saarbrücken

Berlin. Die Leibniz-Gemeinschaft hat die herausragenden Doktorarbeiten der Archäologin Michelle Beghelli aus Mainz in der Kategorie Geistes- und Sozialwissenschaften sowie des Materialforschers Pattarachai Srimuk aus Saarbrücken in der Kategorie Natur- und Technikwissenschaften mit dem Leibniz-Promotionspreis ausgezeichnet. Die beiden prämierten Arbeiten wurden als beste aus mehr als 800 Promotionsvorhaben ausgewählt, die im Jahr 2019 an Leibniz-Instituten abgeschlossen wurden.

Dr. Michelle Beghelli (37) vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum ‑ Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie in Mainz wurde mit ihrer Arbeit „From the quarry to the church. The economics of Early Medieval stone architectural sculpture: materials, makers and patrons (7th - 9th centuries)” an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz promoviert. Die Arbeit befasst sich mit dem karolingischen Kirchenbau im circum-alpinen Raum (Nord- und Mittel-Italien, Südfrankreich, Schweiz und Österreich) und rekonstruiert ausgehend von verzierten Steinelementen der Inneneinrichtung die dafür notwendigen Infrastrukturen vom Steinbruch bis zum fertiggestellten Bau. Mit Blick auf die Gesamtensembles – nicht nur einzelne Elemente – vollzieht sie dabei auf Basis archäologischer und schriftlicher Quellen den kompletten Fertigungsprozess nach. Sie analysiert Material, Handwerker und Auftraggeber der Steinelemente und gewinnt Erkenntnisse zu Steingewinnung und Steintransporten, zu den Steinmetzen, die als gefragte Spezialisten als Wanderarbeiter über große Distanzen unterwegs waren, sowie über das Management der Bauvorhaben durch deren Auftraggeber. Die Erkenntnisse haben damit Relevanz für eine Vielzahl von Disziplinen von der Archäologie über Alte und Mittlere Geschichte, Kunst- und Kirchengeschichte sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Michelle Beghellis Promotionsbetreuer Dieter Quast geht davon aus, dass die Arbeit in den nächsten Jahrzehnten eines der Standardwerke für karolingerzeitlichen Kirchenbau sein dürfte, da sie das Thema umfassend und hervorragend analysiere.

Michelle Beghelli stammt aus der italienischen Region Piemont und studierte christliche und früh-byzantinische Archäologie an der Universität von Bologna. Von 2012 bis 2018 folgte ein Promotionsstudium der Vor- und Frühgeschichte am Römisch-Germanischen Zentralmuseum und der Universität Mainz, das mit Stipendien des RGZM und des Leibniz-WissenschaftsCampus „Byzanz zwischen Orient und Okzident“ gefördert wurde. Aktuell hat Michelle Beghelli ein Feodor Lynen-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung inne, mit dem sie ihre Forschungen in Zagreb fortsetzen möchte.

Publikationen

  • Michelle Beghelli: „From the quarry to the church. The economics of Early Medieval stone architectural sculpture: materials, makers and patrons (7th-9th centuries)”. Publikation in Vorbereitung, voraussichtliches Erscheinen 2021.
  • Michelle Beghelli: „Scultura altomedievale dagli scavi di Santa Maria Maggiore a Trento. Dal reperto al contest”, Bologna 2013. ISBN 978-8898392001

Auszeichnung in der Kategorie Natur- und Technikwissenschaften

Dr. Pattarachai Srimuk (30) vom INM ‑ Leibniz Institut für Neue Materialien in Saarbrücken schloss sein Dissertationsvorhaben „Faradaic electrode materials for next-generation electrochemical water desalination” an der Universität des Saarlandes ab. In der kumulativen Dissertation aus insgesamt zehn Publikationen in internationalen Fachzeitschriften widmet er sich der Entsalzung von Wasser. 

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Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Derzeit richtet das RGZM seine Forschung neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.