Pressemitteilung | 10. Juni 2020 

Drei Kleeblattkannen des 1. bis 4. Jahrhunderts aus dem Konvolut der möglicherweise beim Bau der Bagdadbahn gefundenen Gläser; Foto: Iserhardt/RGZM.

Auswahl von Glasgefäßen (Flaschen, Kannen, Krüge und Ampullen) des 1. bis 5. Jahrhunderts aus Syrien, die zwischen 1912 und 1914 vom RGZM erworben wurden; Foto: Iserhardt/RGZM.



Provenienzforschung im kolonialen Kontext der Bagdadbahn: RGZM Projekt „Glas vom Gleis“ erhält Förderzuschlag vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste

Mainz. Um die Provenienz von Objekten aus kolonialen Kontexten in deutschen Einrichtungen zu klären, hat das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste fünf neuen Forschungsanträgen von Museen und Universitäten zugestimmt und entsprechende Fördergelder bewilligt. Mit dabei ist ein Wissenschaftler-Team des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), das sich mit dem Forschungsprojekt „Das Glas vom Gleis – Archäologie der Bagdadbahn unter kolonialen Vorzeichen“ erfolgreich um die Fördermittel bewarb.

Untersucht werden soll die Herkunft eines Konvoluts von antiken Gläsern aus Syrien, das vermutlich beim Bau der Bagdadbahn gefunden worden ist. Aus den Inventarbüchern des RGZM geht hervor, dass die Gläser zwischen 1912 und 1914 vom  RGZM erworben wurden und aus Syrien stammen sollen.  Die legendäre Bagdadbahn, die Zugstrecke, die im ehemaligen Osmanischen Reich Konya (Türkei) und Bagdad (Irak) miteinander verbinden sollte, zählt zu den größten Infrastrukturprojekten des Deutschen Kaiserreichs und galt als Meisterleistung der Ingenieurtechnik. In diesem Kontext erzählen die Objekte auch vom kolonial geprägten Antikenhandel in den 1910er Jahren.

Der Handel mit antiken Objekten im frühen 20. Jahrhundert 

Ziel des Projektes ist es, jene Individuen, Strukturen und Mechanismen zu identifizieren, die die Bergung archäologischer Funde und den Handel mit antiken Objekten zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem damals unter kolonialer Kontrolle des Osmanischen Reiches stehenden „Umschlagplatz“ Syrien prägten. Der wissenschaftliche Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Provenienzrecherche archivalischer Quellen. Untersucht werden sollen die Umstände der Auffindung der Objekte in Syrien und die Rahmenbedingungen des Verkaufs nach Mainz.

Das RGZM weist langjährige Erfahrung im Umgang mit archäologischen Funden problematischer Herkunft auf.  Mit der Bewilligung des Projekts wird die Provenienzforschung an eigenen Sammlungsbeständen gefördert. Das Forschungsprojekt wird betreut von Dr. Jörg Drauschke (Leiter Arbeitsbereich Sammlung),  Dr. Susanne Greiff (Naturwissenschaftliche Archäologie / Archäometrie) und Dr. Florian Schimmer (Römische Archäologie). Neben der Provenienzforschung mit archivalischen Quellen werden die antiken Gläser archäologischen sowie naturwissenschaftlichen Analysen unterzogen. 

Weiterführende Links: 

Pressekontakt für das RGZM

Ebru Esmen
Tel.: +49 (0) 6131 / 9124-165, E-Mail: esmen(at)rgzm.de 


Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Derzeit richtet das RGZM seine Forschung neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.