Presseinformation | 5. Februar 2021 

Buchcover (Ausschnitt): Stefan Wenzel, Martin Grünewald, Ricarda Giljohann, Römische Landnutzung im antiken Industrierevier der Osteifel. Monographien des RGZM Band 155 (Mainz 2021).

Buchcover: Stefan Wenzel, Martin Grünewald, Ricarda Giljohann, Römische Landnutzung im antiken Industrierevier der Osteifel. Monographien des RGZM Band 155 (Mainz 2021).



Studien zu Römischer Landnutzung im antiken Industrierevier der Osteifel veröffentlicht

Mainz/Mayen. In der römischen Kaiserzeit entwickelte sich in der Gegend zwischen Mayen am Rande der Eifel und Andernach am Rhein in kürzester Zeit ein florierendes Industrierevier mit weitreichenden Absatzmärkten für Steine und Keramik. Damals wie heute sind die Folgen energieintensiver Industrie für Mensch und Umwelt unübersehbar. Um diese näher zu beleuchten, wurden zwei römische Villen am Nordrand der Mayener Mühlsteinbrüche mit geophysikalischen Messungen, Grabungen, geoarchäologischen und botanischen Untersuchungen erforscht. Die aufschlussreichen Ergebnisse präsentiert die nun vorliegende Monographie, die sowohl open access als auch als Printausgabe erhältlich ist.

Buchdaten

Stefan Wenzel · Martin Grünewald · Ricarda Giljohann

Römische Landnutzung im antiken Industrierevier der Osteifel

Monographien des RGZM, Band 155 = Vulkanpark-Forschungen, Band 13
1. Auflage 2021, 466 Seiten mit 218 meist farbigen Abbildungen und 33 Tafeln, 5 großformatigen Beilagen und weiterem Online-Material, 21 x 30 cm, Hardcover, fadengeheftet
ISBN 978-3-88467-334-8

Printausgabe erhältlich über unseren Vertriebspartner Schnell & Steiner
Publikation open access über Propylaeum - Fachinformationsdienst Altertumswissenschaften: https://doi.org/10.11588/propylaeum.768

Inhalt

Seit Beginn der Römischen Kaiserzeit erlebte die Gegend zwischen Mayen am Rande der Eifel und Andernach am Rhein eine enorme Steigerung ihrer wirtschaftlichen Aktivität. In kurzer Zeit entstand dort ein Industrierevier, von dem aus weite Gebiete in den römischen Nordwestprovinzen mit hochwertigen Basaltlava-Mühlsteinen, leichten Tuffsteinen und später auch mit hitzebeständiger Keramik versorgt wurden. Steinbrüche wurden neu angelegt, Land- und Wasserwege ausgebaut, bestehende Absatzräume ausgedehnt und andere erst noch erschlossen. Auf Rückschläge im 3. und 4. Jahrhundert folgten weitere Boomphasen.

Wie konnten die zahlreichen Arbeiter und ihre Familien ernährt werden, und welche Folgen hatte der Erfolg der Stein- und der energieintensiven Keramikindustrie für die Umwelt? Um dies zu klären, wurden zwei römische Villen am Nordrand der Mayener Mühlsteinbrüche mit geophysikalischen Messungen, Grabungen, geoarchäologischen und botanischen Untersuchungen erforscht und ihr gesamtes Umfeld erkundet. Die Ergebnisse präsentiert dieses Buch. Die Bewohner der villa Mendig, »Im Winkel« waren selbst an der Herstellung von Mühlsteinen beteiligt. In der Spätantike dürfte eine Flächendrainage dort einen Umschlagplatz für Mühlsteine am Segbach trocken gehalten haben, während ein wehrhafter Speicherbau die Versorgung der Steinbrucharbeiter sicherstellte. In der villa Mendig, »Lungenkärchen« residierten Steinbruchbesitzer. Sie erwies sich als Axialhofanlage mit imposantem Wasserbecken. Begehungen führten ebenso zur Auffindung des zu »Lungenkärchen« gehörenden Begräbnisplatzes mit Monumenten aus Lothringer Kalkstein wie zur Entdeckung eines bislang unbekannten vicus »Im Terl«.

Roman Land Use in the Ancient Industrial Region of the East Eifel

From the beginning of the Roman Imperial period, the area between Mayen on the edge of the Eifel and Andernach on the Rhine experienced an enormous increase in its economic activity. In a short time, an industrial area developed there, from which wide areas in the Roman north-western provinces were supplied with high-quality basalt lava millstones, light tuff and later also heat-resistant ceramics. Quarries were newly established, land and water routes were expanded, existing outlets were extended and others were still to be developed. Setbacks in the 3rd and 4th centuries were followed by further booms.
How could the numerous workers and their families be fed, and what consequences did the success of the stone and energy-intensive pottery industries have for the environment? In order to clarify this, two Roman villas on the northern edge of the Mayen millstone quarries were investigated with geophysical measurements, excavations, geoarchaeological and botanical studies, and their entire surroundings were explored. The results are presented in this book. The inhabitants of the villa Mendig, »Im Winkel« were themselves involved in the production of millstones. In late antiquity, a surface drainage system there probably kept a transhipment point for millstones on the Segbach dry, while a fortified storage building ensured the supply of the quarrymen. Quarry owners resided in the villa Mendig, »Lungenkärchen«. It turned out to be an axial courtyard with an impressive water basin. Inspections led to the discovery of the burial ground belonging to »Lungenkärchen« with monuments made of Lorraine limestone as well as the discovery of a previously unknown vicus »Im Terl«.
  

Pressekontakt

Ebru Esmen
Tel.: 06131 / 9124-165, E-Mail: presse(at)rgzm.de  
    

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Derzeit richtet das RGZM seine Forschung neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.