Pressemitteilung | 12. Juli 2022 

Blick ins Foyer des neuen Leibniz-Zentrums für Archäologie. Foto: RGZM / R. Müller


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Wissenschaftsrat bewertet Antrag auf strategische Erweiterung des RGZM mit „exzellent“

Der Wissenschaftsrat hat auf Bitten der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) drei strategische Erweiterungsanträge und eine Neuaufnahme von Leibniz-Instituten bewertet. Mit der Bestnote „exzellent“ bewertete der Wissenschaftsrat den Erweiterungsantrag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), dem Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie in Mainz. Dieses Vorhaben sieht die Integration des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig vor, wodurch die raum- und epochenübergreifende archäologische Forschung nachhaltig gestärkt werden würde.

In der Stellungnahme des Wissenschaftsrats, die am Montag, dem 11. Juli 2022 veröffentlicht wurde, sind die die strategischen Erweiterungsvorhaben und das antragstellende Institut, sowohl einzeln auf die jeweilige Förderwürdigkeit, als auch im Hinblick auf ihre wissenschaftliche Qualität, ihre überregionale Bedeutung und ihre strukturelle Relevanz bewertet worden. In der Reihung der Vorhaben setzte der Wissenschaftsrat das RGZM auf den ersten Platz.

Substantieller Mehrwert für die archäologische Forschung weit über Deutschland hinaus

„Wir sind sehr stolz auf diese Leistung und freuen uns außerordentlich, dass das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Teil unserer Einrichtung werden wird. Die Integration des ZBSA in das RGZM ist für die archäologische Forschung weit über Deutschland hinaus von erheblicher Bedeutung“, begrüßte die Generaldirektorin des RGZM, Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch, die hervorragende Bewertung des Antrags. „Es war ein sehr komplexer, herausfordernder und zeitaufwändiger Prozess, bei dem wir die Expertise beider Institute, den substantiellen Mehrwert in den Bereichen Forschung, Transfer und überinstitutioneller Zusammenarbeit und die Relevanz für das Wissenschaftssystem bestmöglich herausgearbeitet haben“, beschreibt Busch das Antragsverfahren.

Fusion schafft Voraussetzungen für langfristige Erforschung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse

Im Februar hatte der Ausschuss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern den Wissenschaftsrat gebeten, den Antrag für die strategische Erweiterung des RGZM durch Integration des ZBSA zu prüfen. Die Begutachtung fand im Dezember 2021 statt und die Stellungnahme wurde am 8. Juli 2022 verabschiedet: Durch die beantragte Erweiterung ließe sich ein Forschungsraum schaffen, der integrierende Perspektiven zu unterschiedlichen archäologischen Denkschulen und Forschungstraditionen ermöglicht, langfristig zur Überwindung lokaler und regionaler Forschungsperspektiven beiträgt und zugleich die Selbstreflexion der beteiligten Fachgemeinschaften fördert, so der Wissenschaftsrat.

„Erst eine Zusammenführung von RGZM und ZBSA ermöglicht die notwendige Bündelung von Fachwissen für die Erforschung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse über sehr lange Zeiträume hinweg“, erläutert die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Dorothea Wagner. „Sie ist somit für die archäologische Forschung auch international von großer Bedeutung.“ Positiv bewertet der Wissenschaftsrat die bereits weit fortgeschrittene Verzahnung der Forschungsprogramme von RGZM und ZBSA. Die hierfür gewählten Themenfelder eignen sich ausgezeichnet, um die aus den bisherigen Forschungsaktivitäten der Einrichtungen gewonnenen Erkenntnisse zusammenzuführen und im engen Austausch zwischen den in Schleswig und Mainz arbeitenden Teams weiterzuentwickeln.

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung.

Weiterführende Links

Pressemitteilung des Wissenschaftsrats zur strategischen Erweiterung
https://www.wissenschaftsrat.de/download/2022/pm_1822.pdf?__blob=publicationFile&v=3


Stellungnahme zum Antrag auf strategische Erweiterung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), Mainz, durch Integration des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA), Schleswig, großer strategischer Sondertatbestand im Rahmen der Ausführungsvereinbarung WGL:
www.wissenschaftsrat.de/download/2022/9784-22.html
DOI: https://doi.org/10.57674/21ck-pv28

 

Römisch-Germanisches Zentralmuseum | Leibniz-Institut für Archäologie

Das Römisch-Germanische-Zentralmuseum (RGZM) erforscht als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie die materiellen Hinterlassenschaften aus 2,6 Mio. Jahren Menschheitsgeschichte. Ziel ist es, anhand archäologischer Funde und Befunde menschliches Verhalten und Handeln, menschliches Wirken und Denken sowie die Entwicklung und Veränderung von Gesellschaften aufzuzeigen und zu verstehen. Als eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft verbindet das RGZM exzellente Wissenschaft mit Ausstellungen und ist mit seinem Bildungsauftrag gleichzeitig ein Ort des Dialoges mit der Öffentlichkeit. Das RGZM ist weltweit tätig und betreibt bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas, wobei ein geographischer Schwerpunkt auf Mittel- und Südeuropa sowie dem mediterranen Raum liegt. Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven, erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben

Das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA)

Das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) wurde im Jahr 2008 als Teil der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen (SSHLM) Schloss Gottorf mit dem Ziel gegründet, als außeruniversitäre Forschungseinrichtung eine institutionelle Lücke in der archäologischen Erforschung des skandinavischen und baltischen Raums bis Nordrussland zu schließen. In die Planungen zur Gründung des ZBSA waren neben der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) das Deutsche Archäologische Institut (DAI) und das RGZM einbezogen, um den Forschungsraum, die primäre zeitliche Fokussierung und den interdisziplinären Methodenkanon komplementär zu ähnlichen Einrichtungen in der Forschungslandschaft zu gestalten.